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Ausgabe 11
 
- Die Audio-App 'Anchor' als Symptom: Hauptsache, irgendwas mit #podcasts
- Hör-Tipps: Die Serial-Satire 'A very fatal murder' von 'The Onion' // Trump-Podcasts: 'Embedded' & 'Trump Inc.'
- Links: Das Veni, Vidi, Vici von Audio; Deutsche Verlage im Podcast-Fieber; Live-Podcasts ruinieren alles
Wer sich in den letzten Jahren mit Online-Audio beschäftigt hat, der wird die App 'Anchor' in irgendeiner Form wahrgenommen haben. Falls nicht: Das 'Anchor'-Team versucht sich seit 2014 daran, für Audio das zu schaffen, was für Text und Bild längst selbstverständlich ist: Nämlich DIE EINE App, mit einem Feed und einem dazugehörigen sozialen Netzwerk. Entstanden ist die Idee so: "We were inspired to build an Anchor prototype after realizing how difficult it was to create and distribute audio", heißt es in der Anchor-Selbstvorstellung.

(Immer wenn es um die Verteilung von Audio und "virales" Audio geht, verweise ich auf diese absolute Pflichtlektüre von Stan Alcorn aus dem Jahr 2014: Why Audio Never Goes Viral)

Zurück zu 'Anchor': Seit 2014 ist die App mehrere Metamorphosen durchlaufen, wie sich auch am Motto der App erkennen lässt.
  • "The first true public radio" bzw. "Radio for the people" (Februar 2016)
    • Anchor sammelt 2,8 Millionen Dollar von Investoren ein
  • "A brand new type of radio" (März 2017)
    • Anchor bekommt weitere 10 Millionen Dollar von Investoren
  • "The easiest way to make a podcast, ever" (Februar 2018)
    • Anchor hat mittlerweile ingesamt 15 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt, Kooperationen mit Apple & Spotify
Beeindruckend finde ich nach wie vor an 'Anchor', wie dynamisch und kontinuierlich sich die App weiterentwickelt. Das ist erfrischend gegenüber der Langsamkeit, mit der sich vieles in der restlichen Audio-Welt bewegt. Dem Team kann man nicht gerade vorwerfen, nicht mutig zu sein oder zögerhaft zu sein. (Auch wenn ich die Version 1.0 immer noch vermisse, eine Art Audio-Twitter, die ich im August 2016 bei basicthinking.de beschrieben habe.)
Und hier kommt es, das große: Aber.

Aber 'Anchor' hatte und hat weiterhin noch kein Geschäftsmodell, außer: Weiter Investoren finden und weiter hoffen, denen irgendwann nicht nur ihr Geld, sondern auch noch eine Rendite zurückzahlen zu können. Ganz zu schweigen von den NuterzInnen, die die eigentlichen Inhalte von 'Anchor' kostenlos an die App verschenken. Ich weiß, so funktioniert das nun mal mit den Tech-Startups und den Plattformen...

Dass 'Anchor' sich ausgerechnet Anfang 2018 - vier Jahre nach der ersten Idee - vollends als Podcast-App inszeniert, kann man auf zwei Arten interpretieren.

Optimistisch gesehen ist es eine Erfolgsmeldung, wie etabliert der Begriff 'Podcast' mittlerweile ist. Hauptsache, irgendwas mit Podcasts. Das überzeugt sogar Investoren - erinnert sei an die erste Staffel vom Startup-Podcast, und die Schwierigkeiten, mit denen Alex Blumberg die Idee eines damals unbekannten Podcast-Unternehmens namens 'Gimlet Media' bei Investoren vorstellt. 

Und für was bitte soll 'Anchor' jetzt ein Symptom sein?

Ich tendiere aber dazu, diesen 'Pivot to Podcast', diese Wende zu Podcasts skeptisch zu sehen. Denn man kann diese neueste Metamorphose von 'Anchor' - bald vier Jahre nach 'Serial' - auch pessimistisch lesen: Gesprochene Audio-Inhalte haben 2018 immer noch kein Geschäftsmodell auf breiter Front etablieren können, außer regelmäßig frisches Investoren- und/oder Werbegeld zu bekommen. Das gilt selbst für internationale Riesen wie 'Gimlet Media', die wahrscheinlich auch deswegen so gerne ihre Geschichten teuer an Fernseh-Sender, Netflix und HBO weiterverkaufen.

Zumindest auf der großen Fläche hat sich in den letzten vier Jahren bei der Podcast-Finanzierung wenig getan, auch wenn sich Abo-Modelle von einzelnen Podcastern mittlerweile auch bis hin zu Medien und deren Podcast-Strategie verbreitet haben, so wie bei 'Slate' und 'Slate Plus' zu sehen ist.

Und deswegen verstehe ich 'Anchor' auch als Symptom: Vor lauter Hype und Feierlaune um den Begriff "Podcast" in den letzten Jahren, besteht immer noch die Gefahr, dass die nachhaltige Perspektive vergessen wird. Hauptsache, irgendwas mit Podcasts. Denn viele neue Podcast-Unternehmungen leben eben von der Wette, dass der Boom weiter mehr HörerInnen, damit mehr Werbegeld und damit mehr Investoren bringt. Auch in Deutschland setzen inzwischen viele der neuen Podcasts auf Geld aus der Werbung.
Aber das läuft doch alles!?

Für den Moment, ja.

Ja, da war zwar der Jubel-Text aus der 'Wired', in dem geschwärmt wurde, dass Podcast-Hörer der heilige Gral der Werbe-Industrie sind. Ich frage mich nur, wie lange das Podcast-Wachstum in den USA wie auch hierzulande allein auf dieser Wette weitergehen kann.

Aber es gab auch andere Texte, außerhalb der Podcast-Blase: "There's a digital media crash, but no one will call it" ist in meiner Leseliste ganz oben gespeichert. "It's time for online media to pivot from advertising", warnte der 'Slate'-Journalist Will Oremus mit Blick auf die Digital-Geschäftsmodelle vieler Medien:

"Until now, investors were propping up the industry by subsidizing money-losing operations in hopes that some would hit it big. With even the most promising bets looking less lustrous, those investors are beginning to realize their mistake."

Die Herausforderung für die derzeitige Podcast-Landschaft ist größtenteils die gleiche wie für das Digitalgeschäft vieler (junger) Medien, angesichts der vielen fremd-finanzierten Podcast-Neugründungen sogar noch komplizierter:

Was passiert an dem Tag, an dem gleichzeitig die Werbekunden ausbleiben und die Investoren ihr Geld sowie ihre Rendite haben wollen? Zeitgleich sind viele langjährige Podcast-Werbekunden Teil des selben Investoren-Systems und stehen selber vor wirtschaftlichen Problemen, so wie 'Blue Apron' beispielsweise.

Zugespitzt: Einige Startups und MedienmacherInnen leben seit Jahren allein vom unausgesprochenen Heilsversprechen, das rund um Audio und Podcasts kursiert. Hauptsache, irgendwas mit Podcasts. Wie lange wird das noch gutgehen?
Der Podcast-Hype hat dazu geführt, dass Werbe- und Investorengeld erstmal leichter und breiter fließen. Hauptsache, irgendwas mit #podcasts. Es ist unbestritten, dass Vieles im jungen Medium Podcast überhaupt erst dadurch entstehen konnte.

Aber was ist und bleibt, wenn Podcasts nicht mehr DAS neue Medium sind? Wenn die Werbeeinnahmen genauso einbrechen wie zuvor bei den älteren Medien? Wenn nach "Podcast" der nächste Begriff durch die Medienwelt stürmt? Wenn der 'Pivot to Podcast' genauso belacht wird wie mittlerweile der 'Pivot to Video'?
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HÖRTIPPS
Weil der letzte Meta-Hörtipp in der letzten Newsletter-Ausgabe zu den meistgeklickten Links aller Hören/Sagen-Ausgaben überhaupt gehörte, gibt's auch dieses Mal was aus der Audio-Kritik-Ecke.

Die Satire-Seite 'The Onion' hat eine Podcast-Serie produziert, die sich nicht nur sehr treffend über 'Serial' lustig macht, sondern auch 'S-Town' und überhaupt den Stil vieler NPR-Podcasts ironisch kritisiert. Wer eins von beidem gehört hat, sollte zumindest die erste Folge anhören. Was danach folgt, ist zwar für meinen Geschmack oft etwas zu absurd, zu weit überspitzt - aber regt trotzdem zum Nachdenken an: Über die Rolle von Reporter-Persönlichkeiten, journalistischer Ethik, über die Stilmittel vieler erzählerischer Podcasts und nicht zu vergessen: Über die Werbung.

Website: https://www.theonion.com/episode-1-a-perfect-murder-1822346450
iTunes: https://itunes.apple.com/de/podcast/a-very-fatal-murder/id1333714430?mt=2
Und für alle, für die jeglicher Bezug zu 'Serial' mittlerweile ein rotes Tuch darstellt: Die beiden Podcasts 'Embedded' und 'Trump Inc' liefern sich gerade die hörenswerte Podcast-Entsprechung vom ewigen Duell zwischen der 'New York Times' und der 'Washington Post': Wer hat die besser umgesetzte Geschichte?

Fest steht für mich: Bei beiden Podcasts kann ich gerade kaum die nächste Episode abwarten. Beide Podcasts sind Paradebeispiele, wie komplexe Themen gut zum Hören aufbereitet werden können. Handwerklich finde ich 'Embedded' zwar besser (insbesondere der Musik-Einsatz), 'Trump Inc' liefert mir dafür wirklich neue Gedanken rund um das Trump-Imperium.

'Embedded' (NPR)
Website: https://www.npr.org/series/469833353/embedded
iTunes: https://itunes.apple.com/de/podcast/embedded/id1091709555?mt=2

'Trump Inc' (WNYC + ProPublica)
Website: https://www.wnycstudios.org/shows/trumpinc
iTunes: https://itunes.apple.com/de/podcast/trump-inc/id1344894187?mt=2
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Das war's für die elfte Ausgabe des Hören/Sagen-Newsletters.
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