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SCHULDBRIEF 7  |  Dezember 2020
Guten Tag!

Auch auf unserer Beratungsstelle ist die 2. Corona-Welle spürbar. Es melden sich zahlreiche Personen, die sich in ihrer Existenz bedroht fühlen. Was tun? In dieser Ausgabe erzählt die Berner Schuldenberatung, wie sich Covid-19 in diesem Jahr auf die Schuldenberatung auswirkt. Damit Sie für das nächste Jahr optimal für die Schuldenberatung gewappnet sind, bieten wir Ihnen nebst unseren Klassikern einen neuen Kurs an: "Das Betreibungsregister – kein Buch mit sieben Siegeln". Melden Sie sich jetzt an.

Die momentan unstabile Situation ist auch ein gefundenes Fressen für kommerzielle und unseriöse Finanzsanierer, die wieder wie Pilze aus dem Boden schiessen. Erfahren Sie, weshalb die Bundesanwaltschaft ermittelt!

Warum die Intrum Justitia Jugendliche mit einem Geschenk lockt, das gar keines ist, lesen Sie ebenfalls in dieser Ausgabe.

Mit Stolz verweisen wir auf das neue Handbuch KKG – Kreditfähigkeitsprüfung bei Barkrediten und Leasingverträgen, welches unter Mithilfe der Berner Schuldenberatung entstanden ist. Es steht allen Interessierten kostenlos zur Verfügung.

Zu guter Letzt möchten wir auf unseren Spendenaufruf am Ende dieses Schuldbriefs hinweisen. In dieser ungewissen Zeit sind wir um jede Spende dankbar.

Gute Lektüre!
 
Schuldenberatung und -sanierung in Zeiten von Corona – wie erlebt die Berner Schuldenberatung die aktuelle Covid-19 Krise und was rät sie den Betroffenen?

Die Anfragen auf unserer Telefonberatung und der Bedarf nach Schuldenberatung nehmen zu. Gegenwärtig stellen wir fest, dass sich viele Ratsuchende in einer beruflich instabilen Situation befinden. Sie haben entweder ihre Stelle verloren, befinden sich in Kurzarbeit, haben Mühe eine Festanstellung zu finden oder beziehen bereits Sozialhilfe. Das Budget geht nicht mehr auf, die Schulden häufen sich und ein rasches Ende der Pandemiesituation ist nicht in Sicht. Was tun?

Während des Lockdowns im Frühjahr 2020 verzeichneten wir deutlich weniger Anrufe auf unserer Telefonberatung als im Vorjahr. Die betroffenen Personen mussten ihren Alltag zuerst selber neu organisieren, Beratungsstellen waren von heute auf morgen nur noch beschränkt erreichbar oder sogar geschlossen. Dieser Umstand wirkte sich auch auf die Zahl der Telefonberatungen aus und führte zu einem Corona-Knick in unserer Statistik.

Ausserdem verzögerte der Rechtsstillstand mit anschliessenden Betreibungsferien bis 19. April 2020 den Inkassodruck auf Schuldnerinnen und Schuldner. Viele Gläubiger waren bereit, ihre Forderungen zu stunden oder längere Zahlungsfristen zu gewähren. Seit Beendigung des Lockdowns sind die Schonfristen gegenüber Schuldenrinnen und Schuldner vorbei, der Druck auf unserer Telefonberatung ist trotz der wiederum strengeren Corona Massnahmen vergleichbar mit dem Vorjahr. Wir rechnen nun mit stetig steigenden Zahlen, da die zweite Corona-Welle die Schuldnerinnen und Schuldner erst mit Verzögerung erfassen und der Bedarf an Beratung zunehmen wird.

Leider ist gerade bei wirtschaftlich instabiler Situation nicht der richtige Zeitpunkt, um eine längerfristige Schuldensanierung anzugehen oder ein Insolvenzverfahren zu beantragen. Trotzdem kann man etwas tun! In einem ersten Schritt ist wichtig, die Situation zu stabilisieren. Die Existenz muss gedeckt sein. Wichtige Rechnungen wie die Wohnungsmiete, Krankenkassenprämie, Unterhaltsbeiträge und die Stromrechnung sollten unbedingt bezahlt werden, sonst droht eine Verschlechterung der Lebensumstände. Ausführliche Tipps für betroffene Personen dazu gab es im letzten Schuldbrief.

Für angestellte Ratsuchende:
Corona: Was tun bei Zahlungsschwierigkeiten? - Berner Schuldenberatung (schuldeninfo.ch)

Für selbständige Ratsuchende:
Corona: Selbständige in den roten Zahlen - Berner Schuldenberatung (schuldeninfo.ch)

Läuft bereits eine Lohnpfändung, soll unbedingt ein Augenmerk auf das betreibungsrechtliche Existenz-Minimum gelegt werden, denn nicht immer beinhaltet dies alle Zuschläge zum Grundbetrag wie Miete, Krankenkasse oder Berufsauslagen. Ist dies der Fall, muss beim Betreibungsamt so rasch als möglich um Revision des betreibungsrechtlichen Existenz-Minimums ersucht und die nötigen Belege eingereicht werden. Weitere Informationen sind unter folgendem Stichwort abrufbar:
einkommenspfaendung.pdf (schuldeninfo.ch)

Gerne stehen wir telefonisch zur Verfügung. Sozialtätige melden sich bei unserem Sekretariat (031 371 84 84), Privatpersonen mit Wohnsitz im Kanton Bern über die Telefonberatung (DI – DO von 10.30 – 12.30 Uhr und 14.00 – 16.00 Uhr unter 031 376 10 10).
 
 
Kommerzielle Finanzsanierer – das Geschäftsmodell von international agierenden kriminellen Organisationen?

Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen mindestens 37 Finanzsanierer mit Sitz in der Schweiz, Deutschland und Grossbritannien. Bisherige Untersuchungen haben einen Geldabfluss ins Ausland von über 10 Millionen Franken und bis zu 8'000 Geschädigte ergeben.

Mit vielversprechenden Inseraten wie "Schuldenhilfe! Wir übernehmen alle Schulden" oder "Schulden? Wir übernehmen Ihre Zahlungen" werben kommerzielle Schuldensanierer auf Plattformen wie "20 Minuten". Wer sich auf so ein Inserat meldet, dem wird eine schnelle und unkomplizierte Lösung für das Schuldenproblem versprochen. Nach ein paar Monaten folgt die nüchterne Erkenntnis: Zwar wurde immer pünktlich die vereinbarte Monatsrate eingezahlt, aber trotzdem flattert wieder ein Zahlungsbefehl eines längst bekannten Gläubigers ins Haus. Wer daraufhin beim Finanzsanierer anruft und um Aufklärung bitten will, läutet ins Leere. Plötzlich ist niemand mehr zuständig oder verantwortlich. Die bereits einbezahlten Raten werden vergeblich zurückgefordert.

In den vergangenen Jahren sind deshalb in vielen Kantonen Strafanzeigen gegen diverse Finanzsanierer mit Sitz in der Schweiz, Deutschland und Grossbritannien eingegangen. Weil es sich um ein gesamtschweizerisch auftretendes Phänomen handelt, internationale Bezugspunkte vorliegen und darüber hinaus auch die mutmassliche Deliktssumme horrend ist, haben mehrere Kantone bzw. deren Staatsanwaltschaften beim Bundesstrafgericht den Antrag gestellt, dass die Zuständigkeit zur Strafverfolgung von den einzelnen Kantonen zur Bundesanwaltschaft wechseln soll. Das Bundesstrafgericht hiess den Antrag gut. Der diesbezügliche Entscheid liest sich wie das Skript eines spannenden Wirtschaftskrimis, der noch geschrieben werden will: Das Bundesstrafgericht beleuchtet die Machenschaften der Finanzsanierer und begründet seine Vermutung, dass mehrere sich konkurrierende kriminelle Organisationen im Hintergrund agieren und die "Geschäfte" führen. Es gehe um gewerbsmässigen Betrug, qualifizierte Geldwäscherei und um unlauteren Wettbewerb. Diese Straftaten zu untersuchen ist nun Aufgabe der Bundesanwaltschaft.

Es dürfte schwierig bis unmöglich sein, dass die Geschädigten jemals ihr Geld zurückbekommen, wenn sie in die Fänge von unseriösen Finanzsanierer geraten sind. Eine schier ellenlange Liste, welche die unseriösen Finanzsanierer aufführt, finden sie auf der Homepage der Reklamationszentrale Schweiz.
Damit das Problem der kommerziellen und unseriösen Finanzsanierer auch inskünftig von staatlicher Seite her untersucht wird, rät die Berner Schuldenberatung den Betroffenen folgende Möglichkeiten in Betracht zu ziehen:
  1. Den Finanzsanierungsvertrag mit eingeschriebenem Vertrag künden. Ein Beispiel für das Kündigungsschreiben sowie die nachfolgende Korrespondenz mit dem Finanzsanierer finden Sie im Stichwort "Kommerzielle Schuldensanierer".
  2. Eine Beschwerde beim SECO wegen unlauteren Wettbewerbs einreichen. Stellt das SECO ein hinreichendes öffentliches Interesse fest, muss es gegen die betroffenen Firmen einen Strafantrag stellen oder eine Zivilklage einreichen.
  3. Strafanzeige bei der Polizei stellen. Die Strafanzeige kann bei jedem Polizeiposten entweder mündlich oder schriftlich erfolgen. Wichtig zu wissen ist, dass die anzeigende Person allenfalls im Strafverfahren partizipieren muss – also z.B. für eine Aussage auf den Polizeiposten oder zur Staatsanwaltschaft muss.
Am Ende ist die überschuldete Person häufig um einige tausend Franken leichter, der Schuldenberg hat sich ziemlich sicher in der Zwischenzeit vergrössert und der Frust sitzt tief. Was bleibt ist die Hoffnung, dass durch entsprechende Aufklärung und Sensibilisierung inskünftig weniger Leute in die Fänge von unseriösen Finanzsanierer geraten.
Intrum's Werbegag

Die Intrum AG nimmt sich neuerdings die jungen Erwachsenen zur Brust und will ihnen im Rahmen einer Präventionskampagne ein Geschenk machen, das in Tat und Wahrheit keines ist. Lesen Sie hier mehr dazu.
Die Kreditfähigkeitsprüfung bei Barkrediten und Leasingverträgen – ein neues Handbuch gibt Antworten auf Fragen aus der Praxis.

Wer im Berufsalltag der Schuldenberatung über Barkredite und Leasingverträge stolpert, weiss, dass die Kreditfähigkeitsprüfung der Kreditgeberinnen oft mangelhaft durchgeführt werden. Bisher gab es zur Kreditfähigkeitsprüfung kaum geschriebene Literatur. Das hat sich nun geändert.

Fünf Anwältinnen und Anwälte, darunter Olivia Nyffeler (Rechtsanwältin Berner Schuldenberatung) und Mario Roncoroni (ehemals Rechtsanwalt Berner Schuldenberatung), haben eine Onlinepublikation zur Kreditfähigkeitsprüfung verfasst. Sie kann kostenlos auf www.konsumkreditgesetz.ch heruntergeladen werden.

Das Handbuch beantwortet Fragen aus der Praxis der Kreditfähigkeitsprüfung bei Barkrediten und Leasingverträgen und macht insbesondere Empfehlungen, wie im Rahmen der Kreditfähigkeitsprüfung das Budget bzw. die Kreditfähigkeitsprüfung korrekt zu erstellen ist. Es hat den Anspruch, sehr nahe an der Praxis und gleichzeitig nützlich für Fachleute aus der Anwaltschaft und aus der Konsumenten- und Schuldenberatung zu sein. Das Handbuch ermöglicht dadurch eine Einschätzung, ob die Kreditfähigkeitsprüfung korrekt oder mangelhaft durchgeführt worden ist und erleichtert so den Entscheid, ob der Vertrag angefochten werden soll.
Workshop 'Das Betreibungsregister – kein Buch mit sieben Siegeln'

Die Auszüge aus dem Betreibungsregister richtig lesen und verstehen können.

Die Höhe und Zusammensetzung eines Schuldenbergs erschliesst sich aus den Unterlagen des Betreibungsamtes nicht immer problemlos. Mit diesem halbtägigen Workshop erhalten Sie die Instrumente, um Auszüge aus dem Betreibungsregister, Schuldnerinformationen und Verlustschein-Journale richtig zu lesen und zu verstehen.

Nebst einem Input zum Ablauf des Betreibungsverfahrens vom Zahlungsbefehl bis zum Verlustschein befassen wir uns anhand praktischer Beispiele mit folgenden Fragen:
 
  • Welche Auskünfte erhält man mit dem Betreibungsregisterauszug?
  • Was bedeuten die Abkürzungen und Codierungen auf dem Betreibungsregisterauszug?
  • Welche Angaben stehen auf einer Schuldner-Information?
  • Welche Bedeutung haben die Betreibungsnummern?
  • Was sind Pfändungsgruppen?
  • Wie erkennt man den Stand einer Betreibung?
  • Wann werden Verlustscheine ausgestellt und welche Bedeutung haben diese?
 
Kursdaten
Dienstag, 16. März 2021, 14.15 bis 17.30
 
Kursort
Sofern es die Covid-19 Situation zu lässt, findet der Kurs in einer geeigneten Lokalität in der Umgebung von Bern statt. Sollte eine Durchführung vor Ort nicht möglich sein, wird der Kurs online durchgeführt (zoom).
Wird der Kurs vor Ort durchgeführt, nehmen höchstens so viele Personen teil, wie es die Gesetzgebung zur Covid-19 Situation zu diesem Zeitpunkt zulassen wird.
 
Kursleitung
Caterina Costantino, Sozialarbeiterin HFS
 
Kurskosten
    CHF 200.– für Nicht-Mitglieder
    CHF 180.– für Vereinsmitglieder der Berner Schuldenberatung und ihre Angestellten
im Kursgeld inbegriffen
    Kursunterlagen
    Znüni/Zvieri
 
Zielpublikum
Der Workshop richtet sich an alle Sozialtätigen, die sich mit Betreibungsregisterauszügen befassen müssen.

Anmeldung
Anmeldeformular / Kursübersicht
 
Spendenaufruf

Im Schuldbrief Nr. 5 vom Januar 2020 hat der Verein Berner Schuldenberatung die Vorsätze für das Jahr 2020 präsentiert, die den Fokus auf die Unterstützung für Hilfesuchende richteten: Kein Abbau von Dienstleistungen, deswegen auch kein Personalabbau und keine Schliessung von Aussenstellen – trotz 54'000 Franken Subventionskürzung. Zu diesem Zeitpunkt hat niemand damit gerechnet, dass Covid-19 die kommenden Monate dominieren würde. Der bundesrätlich verordnete und landesweite Lockdown und die begleitenden Massnahmen im Frühjahr 2020 hat auch die Berner Schuldenberatung hart getroffen und das ohnehin bereits vorhanden Defizit der Vereinskasse vergrössert. Mit gezielt getroffenen Sparmassnahmen wurde der Gürtel eng geschnallt, damit die im Frühjahr 2020 gesteckten Ziele trotzdem weiterverfolgt werden können. Der Verein Berner Schuldenberatung ist aber mehr als je zu vor auf Spenden angewiesen. Deshalb unsere erneute Bitte an Sie: Helfen Sie mit, dass wir unsere Dienstleistungen weiterhin im bisherigen Umfang erbringen können. Gerade in dieser Zeit ist ein professionelles Schuldenberatungsangebot unabdingbar! Mit Ihrer Spende können wir unsere Dienstleistungen erhalten und Schuldnerinnen und Schuldner unterstützen, indem z.B. ganz dringende Schulden wie eine offene Monatsmiete einmalig übernommen werden, damit kein Verlust der Mietwohnung droht. Unterstützen Sie uns sowie unsere Klientinnen und Klienten jetzt mit einer Spende:

PC-Konto 30-13070-9
IBAN CH08 0900 0000 3001 3070 9


Vielen herzlichen Dank!
 
Berner Schuldenberatung
Seftigenstr. 57  CH-3007 Bern
www.schuldeninfo.ch
Tel 031 371 84 84

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